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Am Ufer

Aktualisiert: 7. Dez. 2022

Arbeit und Arbeitnehmende im Spannungsfeld zwischen tradierten Glaubenssätzen und digital-disruptivem Nichtwissen, wohin die Zukunft geht



"Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen. Sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer." Antoine de Saint-Exupéry


Wohin geht der Weg und wer erklärt einem, wie dieser Weg zu gehen ist?


Die Arbeitswelt steht vor einem radikalen Umbruch. KI und digitale Netzwerke bestimmen Abläufe und Prozesse, Dienstleistungen und auch Inhalte - doch wir Menschen sind die "alten" geblieben. Eins nach dem anderen, im Rhythmus und dem Glauben, in dem schon unsere Eltern und Großeltern arbeiteten und lebten.


Wir wissen nicht, wohin der disruptive Weg führt und ob das Schiff, das wir bauen, um in den Worten von Antoine de Saint-Exupéry zu bleiben, halten wird.


Wir wissen nur, und das ist schon jetzt das große Entsetzen vieler, dass die KI und die Digitalisierung bestimmt, wie das Schiff das vor uns liegende Meer befahren wird. Wir bauen es, wir besteigen es und wir fahren los - ohne das Schiff, das Meer und das Ziel zu kennen. Und doch ist es unaufhaltsam. Wir bauen, reisen und betreten Neuland. Wie einst Ferdinand Magellan, Christoph Kolumbus oder Thor Heyerdahl.


Wussten jedoch Magellan, Kolumbus und Heyerdahl um die Gefahren des Meeres und die Herausforderungen, die auf Schiff zu bestehen sein würden und konnten ihre mitfahrenden Seefahrer entsprechend aussuchen und zusammenstellen, sollen und müssen heute "alle" mit - egal ob Landratte oder Seefahrer.


Der Seefahrer: Er kennt das Meer, schaut der Herausforderung fest ins Auge und trägt die Sehnsucht nach der großen weiten Welt in sich - Entdecker und Abenteurer, im Wagnis zuhause.

Die Landratte: Sie kennt das Land, weiß um die Kraft der Beständigkeit und ist im hier und jetzt zufrieden - die Hüterin der Sicherheit.


Beide, Seefahrer und Landratten, haben ihre Berechtigung und Nutzen. Nur was ist, denn die Flut kommt?


Jetzt ist die Zeit der Seefahrer gekommen und die Landratten müssen den Seefahrern vertrauen und mit aufs Schiff. Von der Arbeit an Land heißt es nun raus auf die See. Nun müssen die Landratten lernen, dass die See ihr neues Land ist, Sie müssen lernen sich auch dort zurecht zu finden, um eines Tages wieder die Hüterinnen für Beständigkeit und Sicherheit zu sein.


Schwierige Zeiten für die Landratten und große Herausforderungen für die Seefahrer.

Der Seefahrer ist ein Einzelgänger - die Landratte ein Rudeltier ...

Der Seefahrer muss in den Landratten die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer wecken und gleichzeitig weiß er, dass seine Einsamkeit ein jähes Ende haben wird, denn er wird den Bedenken der Landratten nicht entfliehen können.


Die Landratten werden dem Seefahrer alles entgegensetzen, was sie aufbieten können, um auf dem sicheren Land zu bleiben und sie wissen, sie sind in der Mehrheit. Gleichzeitig sehen sie das Wasser kommen und ahnen, dass ihnen nichts anderes übrig bleiben wird, als sich dem Wissen der Seefahrer anzuvertrauen und mit ihnen das Schiff zu besteigen, die Leinen zu lösen und los zu segeln.


Für beide stehen schwere Zeiten bevor. So lange, bis die Landratten denken, dass das Schiff ihr neues Land ist und ihre Nachkommen dem entsprechend erzogen haben. Während die Landratten dem Gang der Evolution folgen und zu "Schiffslandratten" werden, bleiben die Seefahrer Seefahrer. Sie werden wieder ihrer Sehnsucht und Vorstellungskraft folgen und zu neuen Ufern aufbrechen.


Die meisten Arbeitnehmenden befinden sich in einer schwierigen Zeit. Sie wurden dafür ausgebildet und erzogen fleißig zu sein, ihre Arbeit gewissenhaft zu erledigen und den Vorgaben der Vorgesetzten folge zu leisten. Ihr Blick auf die Arbeit war geprägt a) vom Mindset der Eltern "schaffe, schaffe, Häusle bauen" oder "harte Arbeit ist gute Arbeit" und b) der visionären Welt des amerikanischen Hollywoodtraums "vom Tellerwäscher zum Millionär". Zwar wurde der Wert von Bildung politisch früh erkannt und die Anzahl der Studenten samt Studienfächer stieg in den letzen Jahren rasant aber die innere Einstellung zur Arbeit hat sich nur wenig verändert. SMART hieß das Zauberwort einer ganzen Arbeitnehmergeneration - spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Bezahlt wurde nach Tarif oder messbarer Leistung. Unternehmensberater boomten und prozessorientierte Effizienzsteigerung war ihr Zauberwort. Höher, schneller, effizienter - so sollte auch die Arbeit der Arbeitnehmenden sein.


Und jetzt: Transformation, Disruption, KI, Blockchain, Quantencomputing, Deep Learing, Komplexität, Ambiguität, Volatilität - wie schön waren doch SMARTe Prozessoptimierungen, so nachvollziehbar, so überprüfbar, so leistbar. Jetzt kommt SMART eine völlig neue Bedeutung zu: Intelligente Systeme. Doch welche Rolle spielen wir Menschen in dieser Welt der intelligenten Systeme. Sind wir nur noch die Überführerenden, die bestehende Arbeitsprozesse für die KI aufbereiten oder wie definieren wir uns und unsere Arbeit?

In unseren Schulen, Ausbildungsstätten und Kultusministerien ist diese Frage und die damit zusammenhängenden Gedanken nach einer neuen Definition des Menschens ohne SMARTe Arbeitsleistung noch nicht angekommen und so entfernt sich Schule immer weiter von der Gegenwart und tradiert zusammen mit den jetzigen Arbeitnehmenden alte Mindsets und Glaubenssätze in eine neue Welt.

Noch stehen wir am Ufer und haben ein bisschen Land unter den Füßen, doch das Wasser steigt unaufhaltsam und wir müssen uns entscheiden, ob wir stehen bleiben und langsam untergehen, oder unsere Koffer packen und das Schiff bauen und besteigen wollen.

Auf zu neuen Ufern ....




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